Ganz kleine Schritte

Irgendwann im Juni hat man vor der Feldherrnhalle die Markierungen für Radfahrer subtil geändert. In der guten alten Zeit mussten Radler, welche aus der Brienner Straße kamen und weiter in Richtung Hofgarten oder nach links in die Ludwigstraße fahren wollten, umständlich erst nach rechts rauf das Pflaster vor der Feldherrnhalle, dort zumeist dank reichlich ausgeblichener Markierung um Touristen slalomieren, um dann in diesem Gewusel (zusätzlich queren kurz vor dem Hofgartentor noch Radfahrer aus der Residenzstraße) entweder in den Hofgarten oder nach links auf die Ludwigstraße abzubiegen. Diese Lösung war mehr als suboptimal, zumal dort eigentlich reichlich Platz für eine anständige Führung wäre. Der ADFC München hat bereits vor einiger Zeit ein Konzept entwickelt, wie man die Verkehrsströme dort in Zukunft leiten könnte. Soweit das theoretische Vorgeplänkel. Hier erst einmal ein (schlechtes) Foto der alten Situation.

Querung vor der Ummarkierung

Querung vor der Ummarkierung

Man sieht (oder eben nicht), dass beide Radlerströme, sprich die in den Hofgarten und die aus dem Hofgarten heraus, über das Pflaster geleitet werden (beide Richtungen führen dann vor der Schnauze des weißen LKW entlang). Man sieht auch, dass zumindest einige Berufspendler diese Schikane auf direkter Linie umfahren. Am frühen Vormittag geht das, weil der Taxistand, der dort markiert ist, noch nicht besetzt ist. Wie diese Ecke dort ein Radler im fließenden Verkehr begreifen wollte, ich weiß es nicht. Nach rechts in eine Fußgängerzone abzubiegen, wenn man eigentlich nach links fahren möchte ist jetzt nicht so wirklich einleuchtend. Es sei denn, man hat das System deutscher Radwege mit der Muttermilch gelernt.

 

 

Klein Britannien in München

Die neue Markierung ändert an der Problematik dort nur sehr wenig, löst aber beim aufmerksamen und verständigen Radfahrer Verwunderung aus. Als erstes fällt auf, dass man in Fahrtrichtung Ost (Hofgarten) nun hinter der Ampel nicht mehr nach rechts auf das Pflaster hoppeln muss. Positiv. Man wird auf direkter Linie in den Hofgarten geführt. Aber auch nur genau dorthin, denn wenn man spitzfindig und regeltreu ist, dann darf man von dieser Spur eigentlich nicht nach rechts in die Residenzstraße abbiegen und auch nicht nach links in die Ludwigstraße.

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neue Markierung

Auf der neuen Spur sind Geradeauspfeile und Fahrradpiktogramme aufgemalt. Zusätzlich wird die Fahrtrichtung auch noch einmal auf dem nagelneuen Hinweisschild (mit der münchentypischen, falschen Verwendung des VZ254 „Verbot für Radverkehr“, gemeint ist eigentlich „Verbot der Einfahrt“ VZ267) als ziemlich eindeutig angezeigt. Aber eigentlich ist das zumindest für Radfahrer mit Fahrtziel Ludwigstraße ganz praktisch, kann man doch nun direkt mit dem Kfz-Verkehr auf der Fahrbahn nach links abbiegen (das klappt dort sehr gut, da die Fahrbahn absurd breit ist und „links“ die einzig mögliche Fahrtrichtung für Kfz ist) und spart sich das weiterhin vorhandene Durcheinander vor dem Tor. Ich persönlich halte ja die Gefährdungslage dort abseits der Fahrbahn für weit höher als…aber lassen wir das, anderes Thema. Ich gehe aber davon aus, dass die Planer dort das Abbiegen nur „versehentlich“ ausgeschlossen haben, so wie man „versehentlich“ Haltelinien so markiert, dass man zuverlässig den Querverkehr blockiert und „versehentlich“ Ampeln vergisst zu montieren. Blöderweise ist der Taxistand aber immernoch da, zwar etwas verkleinert, aber dafür direkt an der Radspur. Fahrgäste werden also den Radweg zum Ein- und Aussteigen nutzen müssen und es gibt jetzt eine gefährliche Türaufklappzone. Für den Gegenverkehr (aus dem Hofgarten kommend) ändert sich nicht viel, man hat nun theoretisch doppelt so viel Platz. Achja, und man fährt im Linksverkehr. Details. Sollte man an ausgewählten Orten auch mal mit dem „richtigen“ Verkehr so machen. Sicher lustig. Im Juni dachte ich noch, dass sei der erste Linksverkehr in München, aber weit gefehlt. Das Thema scheinen die örtlichen Verkehrsplaner richtig groß rausbringen zu wollen. Am Greinerberg gibt es sogar ein deutlich längeres Stück England in München, ebenso auf der Englschalkingerstraße. „Wo ist das Problem?“ – Das Problem ist, dass solche Konstrukte für mich Zeichen sind, dass man Radfahrer weiterhin als beräderte Fußgänger sieht und nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer. Solche Konstrukte würde man für den „richtigen“ Verkehr niemals anlegen. Ganz im Gegenteil. Selbst harmlose Ungewöhnlichkeiten wie z.B. die kleine Barrikade zwischen den beiden Fahrstreifen auf dem Isarring (welche nötig wurde, weil die durchgezogene Linie niemanden hinter dem Steuer interessiert hat) wird bereits hunderte Meter vorher mehrfach mit scheunentorgroßen Hinweisschildern und Blinklichtern angekündigt. Aber so ist das eben in der „Radlhauptstadt“.

2 Kommentare

  1. Norbert

    Bei GoogleStreetView sieht man die alte Lösung ganz gut. https://goo.gl/maps/aD9TUCVXuLL2 Das Gerade-Aus so kompliziert sein kann.

    Leider kann man die Fotos nicht in größer aufrufen per Klick auf das Bild. Wäre hilfreich zum Verstehen.

    Antworten
    1. timovic (Beitrag Autor)

      Danke für den Hinweis mit der fehlenden Vergrößerungsfunktion!

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